Geschichte

Die Geschichte des Evangelischen Migrationszentrums ist zum großen Teil eine Geschichte des Griechischen Hauses.

Denn 30 Jahre lang war das Anwesen Bergmannstraße 46 als Griechisches Haus bekannt.

Es ist eine stolze Erfolgsgeschichte, die nun, mit der Umstrukturierung und Umbennennung in Evangelisches Migrationszentrum, in einen größeren Aufgabenkontext mündet.

Ein kurzer Rückblick soll die lebhafte Geschichte des Anwesens in der Bergmannstraße 46 dokumentieren.

 

Neue Aufgaben brauchen neue Strukturen
Das Evangelische Migrationszentrum entstand im Winter 2004/2005 aus der Zusammenführung zweier bislang räumlich und inhaltlich getrennt arbeitenden Einrichtungen: dem "Griechischen Haus" und der "Beauftragter für die Arbeit mit ausländischen Mitbürgern". Diese Zusammenlegung soll zu Synergieeffekten führen die dem Wohle aller Ratsuchenden und Besucher des EMZ dienen.

 

Dreißig Jahre sind erreicht — für alle ein Grund zum Feiern
In diesem Sinne konnte das Griechische Haus im Oktober 2004 sein 30-jähriges Bestehen feiern. Schon lange gilt das Griechische Haus als eine der profiliertesten Einrichtungen in der Kultur- und Sozialarbeit. Viele viele Menschen, inzwischen jeglicher Nationalität, sind froh, dass es dieses Haus gibt und sind den Verantwortlichen im Evangelischen Dekanat dankbar, dass diese Einrichtung auch in der Zukunft ihre Arbeit auf bewährtem Niveau und in gewohnter Offenheit fortsetzen kann.

 

Die 80er und 90er Jahre: das Haus wird immer größer und schöner
In den darauf folgenden Jahren, also in der 80ern, erfolgte der erste wichtige Personalwechsel: Pavlos Delkos wird Leiter des Hauses. Konsequent wurde unter Dekan Heimo Liebl an der Erweiterung des Hauses gearbeitet. Unter Dekan Dr. Helmut Ruhwandl und der Leitung von Constantinos Gianacacos fand dies seit dem Jahr 1993 seine Fortsetzung. Seit dem Herbst 1994 steht der Einrichtung das ganze Gebäude zur Verfügung. Durch die komplette Sanierung und die darauf folgende Erweiterung der Räumlichkeiten besitzen wir die besten Voraussetzungen, unser Ziel zu erfüllen, eine Einrichtung zu betreiben "als ein Haus der Begegnung und des kulturellen Austausches in dem der Geist des Friedens und die schützende Hand Gottes, der seine Menschenkinder liebt und sie durch seinen Sohn Jesus Christus zu erneuerten Leben aus der Liebe führt ..." (Dr. Helmut Ruhwandl, ehem. Dekan von München, 1994).

 

Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre: das Haus platzt bald aus allen Nähten
Unter der Leitung von Dr. Stephan Gaitanides erarbeitete ein Mitarbeiterteam eine Konzeption für das Haus, die den Grundstein für den zukünftigen Erfolg legen sollte. Die folgenden Jahre bestätigten das Team in ihrer Arbeit: Das Haus erwies sich bald als zu klein für die vielen Besucher und die zu erledigenden Aufgaben. Man kann beruhigt behaupten, die Nachbarschaft, die Münchner Griechen, die Stadt München und vor allem das Evangelische Dekanat München konnten mit Stolz auf die Arbeit des Griechischen Hauses hinweisen.

 

1974: Ein ökumenisches Haus entsteht.
"Dieses Haus will ein Stück Heimat in der Fremde sein und die Fremde zur Heimat machen. Dazu braucht es offene Türen. Dieses Haus darf sich nicht abschotten. Es soll eine Drehscheibe für Meinungen und Erfahrungen sein. Dazu braucht es Mut zur Wahrheit. Die Probleme, die ausländische Mitbürger untereinander und mit Einheimischen haben, müssen beim Namen genannt und bearbeitet werden. Dazu braucht es Vertrauen und Hoffnung. Es soll ein Haus sein, das von Christen verschiedener Kirchen geprägt ist. Es soll ein ökumenisches Haus sein, das von dem Glauben lebt, dass "Gott keinem von uns fern ist" (Apostelgeschichte des Lukas 17,27)". So beschreibt 1989 Heimo Liebl, ehemaliger Dekan von München, die Ambition des Trägers im Hinblick auf das Griechische Haus. Unter Mitwirkung der örtlichen Auferstehungsgemeinde und der Griechen aus dem Westend konnte im Oktober 1974 das Gebäude an der Bergmannstraße seine Pforten öffnen. Zwei Stockwerke standen der Einrichtung von nun an zur Verfügung.

Freiheit und Selbstbestimmung werden erkämpft.
Die Griechen, noch geplagt von vielen politischen Problemen in der Heimat (Militärdiktatur von 1967 bis 1974), konnten hier erstmals in Freiheit ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen. Ihre Politisierung galt lange als sprichwörtlich. In diesem Umfeld des Kampfes gegen die Diktatur in Griechenland und gegen die alltäglichen Probleme, die auf noch fremden Boden allgegenwärtig waren, war die Gründung einer soziokulturellen Einrichtung wie das Griechische Haus Westend ein besonders wichtiges Ereignis.

 

Firmen aus dem Westend werben griechische Gastarbeiter an.
Seit den 60er Jahren leben im Stadtteil Westend überdurchschnittlich viele griechische Familien. Sie sind in den 60er Jahren als Arbeiter von den damals im Stadtteil ansässigen Firmen (zum Beispiel der Reifenfabrik Metzeler) angeworben worden. Auch wenn heute diese Unternehmen nicht mehr existieren, so prägen ihre "Hinterlassenschaften" das Bild des Stadtteils durch eine von der nationalen Herkunft her sehr unterschiedliche Bevölkerung. Heute können nur die Ältesten sich noch daran erinnern, wie es damals auf der Schwanthalerhöhe im Münchner Westend zuging. Zu betonen ist jedoch, dass es keine nennenswerten Konflikte zwischen den Gastarbeitern und den Einheimischen gegeben hat.