Evangelische Ausländerarbeit

Die Evangelische Ausländerarbeit beschäftigt sich mit den Fragen und Nöten von Menschen mit Migrationshintergrund, unabhängig von Religion und Nationalität. Individuelle Beratung, Unterstützung und Seelsorge gehören hier zu den Aufgaben.

Die Evangelische Ausländerarbeit tritt ferner für die Interessen von Ausländern und Migranten in innerkirchlichen und in gesellschaftspolitischen Zusammenhängen ein. Sie initiert und pflegt den Dioalog mit anderen Religionsgemeinschaften und bietet Veranstaltungen zu entsprechenden Themen an (z.B. Flüchtlings- und Migrationsarbeit, interkulturelle Pädagogik, religiöser Dialog u.ä.). Auch das Forum für fremdsprachige Gemeinden in München (IKEM - Interkulturell Evangelisch in München) wird von ihr begleitet und koordiniert.

Newsletter 07/18

 

Mit dem Newsletter 07/18 melde ich mich bei Ihnen, bevor es in die Sommerpause geht.

 

So gar nicht nach Ferien klang kürzlich meine zwölfjährige Tochter. Sie möchte neuerdings Französisch lernen! Aha, denke ich mir und wundere mich: „Willst du nicht lieber Italienisch lernen, wir sind doch von München aus viel schneller in Italien als in Frankreich?“. Nein, sie will Französisch lernen! Irgendwann rückt sie raus, warum: Damit sie versteht, was ich mit den Nachbarn rede. Ach so!

„Warum“, fragt meine Tochter, „sprechen die Nachbarn eigentlich Französisch, obwohl sie gar nicht aus Frankreich kommen?“. Gute Frage!
Unsere Nachbarn haben afrikanische Wurzeln. Sie kommt aus dem Kongo, er aus einem Nachbarland. Die Kinder sind hier geboren, mit ihnen geht’s am besten auf Deutsch, obwohl sie auch noch Lingala sprechen.

Ich erkläre meiner Tochter, dass vor gar nicht allzu langer Zeit viele Europäische Staaten nach Afrika gesegelt sind, um dort Land und Menschen zu erobern. Die heutige DR Kongo wurde z.B. von den Belgiern beansprucht, bis heute ist dort Französisch Amtssprache. Trotz Unabhängigkeit seit 1960.
Grund genug, finde ich, sich mit dem Thema „Migration“ mal aus anderer Perspektive zu beschäftigen!

Herzliche Grüße, Ihre
Bettina Mühlhofer, 30.06.2018

 

 

Türen auf! Gottes Volk kennt keine Fremden

ist das Motto einer Infokampagne von Mission EineWelt zu den Themen Flucht und Migration. Das Centrum bietet Materialien und Referenten für Kirchengemeinden an, die sich aktiv mit den Themen auseinandersetzen wollen. Infos und Kontakt hier

 

 

Lasst uns (ge)denken!

23. August: Internationaler Tag der Erinnerung an Sklavenhandel und dessen Abschaffung
Wir leben gerade mitten in der „International Decade for People of African Descent“, die die UNESCO in Gedenken an die Sklavenaufstände in Haiti 1791 ausgerufen hat. Damals begehrten versklavte Menschen auf, mit Erfolg! Es war die Initialzündung für die Idee allgemein gültiger Menschenrechte.  Irina Bokova, Generaldirektorin der UNESCO bis 2017, schreibt: „In the night of 22 to 23 August 1791, men and women, torn from Africa and sold into slavery, revolted against the slave system to obtain freedom and independence for Haiti, gained in 1804…“ (lesen Sie hier weiter)

Auch Deutschland trägt die Last der Kolonialisten, denn auch wir sind in die Welt gezogen, um an Wirtschaftskraft und Ländereien zu gewinnen. Durchaus auch mit Sklavenhandel und allem was dazu gehört. Wenig fließt bisher davon in die Geschichtsbücher, umso mehr sollten wir uns dessen bewusst sein! „planetwissen“ ermöglicht einen ersten Zugang.

 

Interkulturelle Woche 2018

Bundesweiter Auftakt der IKW 2018 am 23. September in Hannover mit einem Ökumenischen Gottesdienst um 17 Uhr in der Pauluskirche, Meterstraße 37, 30169 Hannover. Anschließend Empfang im Haus der Religionen – Zentrum für interreligiöse und interkulturelle Bildung e.V. (um Anmeldung wird gebeten)

In München trotzen wir dem Wies’nstart mit dem Tag der Offenen Tür zur IKW am Samstag, 22.09.2018, 14-18 Uhr im Evangelischen Migrationszentrum, Bergmannstr. 46, 80339 München. Alle sind herzlich eingeladen!

Materialien für die IKW können Sie hier bestellen. Das Gemeinsame Wort der Kirchen zur IKW lesen Sie hier nach.

 

Gottesdienst von IKEM* und den Partnerschaften

Wir laden Sie herzlich ein zum interkulturellen Gottesdienst am Sonntag, 14. Oktober 2018, 14 Uhr in die
Gustav-Adolf-Kirche
Hohenaschauer Str. 3, 81669 München
MVV: U2/U7, Haltestelle Karl-Preis-Platz.
Anschließendes come together bei internationalen Spezialitäten. Anmeldung hier!

*IKEM (= Interkulturell Evangelisch in München) umfasst etwa 30 evangelische Gemeinden aus Afrika, Asien und Europa in München, die ihren Gottesdienst in ihrer Herkunftssprache feiern.

 

Wussten Sie schon,

dass in München die ganze Welt zu Hause ist?

Statistik

Anzahl

%

Deutsche ohne eigene Migration

867.677,00

56,9

Deutsche mit eigener Migration

236.547,00

15,5

Ausländer

421.832,00

27,6

Summe:

1.526.056,00

100

Auch die konfessionelle Zugehörigkeit wurde je Stadtviertel erfasst: Die (prozentual) meisten Katholiken leben in Allach/Untermenzing, die meisten Evangelischen in der Maxvorstadt; Menschen israelitischen Bekenntnisses sowie „Sonstige“ sind stadtweit etwa gleichmäßig verteilt. Die größte Gruppe ist jedoch „ohne Religion“, die meisten von ihnen leben in Milbertshofen/Am Hart. Der Anteil der Christen insgesamt in München beträgt 43,2%.

Quelle: Landeshauptstadt München, Stand 31.12.2017, mehr Infos hier

 

Zu spät?

Mein früherer Kommilitone Olivier, gebürtige Kongolese, sagte mir einmal lachend: „Ihr Deutschen habt nie Zeit!“. Ich wunderte mich, denn gerade saßen wir gemütlich in der Cafeteria und hatten es gar nicht eilig. Doch er meinte: „Gerade hast du mich gefragt: „Wie spät ist es? Dir ist es immer zu spät! Deine Zeit, immer ist sie schon vergangen.“

Seitdem grübele ich ab und an, ob er Recht hat. - Wie spät ist es eigentlich? Ich muss los!

Redebeitrag von Bettina Mühlhofer, Referentin im Evang. Migrationszentrum, anlässlich der Demo gegen AnkER-Zentren in Markt Schwaben am 11.06.2018

(es gilt das gesprochene Wort)

„2015 wurden etliche geflüchtete Menschen am Münchner Hauptbahnhof herzlich und jubelnd begrüßt; Deutschland staunte damals vor drei Jahren nicht schlecht über eine neu entdeckte Willkommenskultur.

Mit Stolz und Anerkennung wurde über diese Willkommenskultur in den Medien berichtet. Leute aus ganz Deutschland riefen bei uns und anderen Institutionen an und fragten: „Wie habt ihr das gemacht? Wir wollen das bei uns auch auf die Beine stellen!“

Und tatsächlich beteiligen sich viele seither mit unermüdlichem Einsatz, mit Herz und Verstand für Geflüchtete, im Namen dieser großartigen Willkommenskultur!

Mein Name ist Bettina Mühlhofer und ich arbeite seit über 20 Jahren für Interkulturelle Bildung, Begegnung und Seelsorge im Evang. Migrationszentrum München. Mein Arbeitgeber ist die Evangelische Kirche und so kann ich mir, ich würde heute fast sagen, den Luxus erlauben, jeden Menschen, der zu mir kommt in seiner Besonderheit, mit seiner Not, mit seiner individuellen Geschichte, kennenzulernen und anzuhören. Einmal sagte ein Klient mit chinesischen Wurzeln zu mir: „Sie sind der erste Mensch hier, der mich ernst genommen und mit Respekt behandelt hat!“ Das hat mich einerseits gefreut, gleichzeitig jedoch schockiert! Was hat dieser Mensch schon alles über sich ergehen lassen müssen?

Besonders Kinder und Jugendliche leiden dauerhaft darunter, wenn sie in aller Öffentlichkeit diffamiert und bloßgestellt werden; keiner von uns hier würde dies absichtlich herbeiführen wollen, da bin ich mir sicher. Dennoch geschieht es! Tagtäglich!

Kürzlich erzählte mir eine Mutter, dass ihre 9jährigeTochter von Mitschülern zu hören bekommt: „Ihr seid doch auch solche Flüchtlinge! Ist dein Vater auch ein Terrorist?“

Kinder geben recht ungefiltert wider, was gesellschaftlich vor allem in der yellow press thematisiert wird. So entlarven sie die populistischen Tendenzen aus den öffentlichen Debatten zu Flucht und Asyl.

Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, der aktuelle Tenor zu Flucht und Migration beflügelt demokratiefeindliche Tendenzen.

Einige der Wahlkampfdebatten, gerade auch die aktuelle über die Einrichtung der AnkER-Zentren, gießen Öl ins Feuer der Zündler.

Abschottung und Abgrenzung, Kontrolle und Kasernierung, sind die Begriffe die momentan im Zusammenhang mit geflüchteten Menschen verstärkt in unsere Köpfe wandern.

Die Forderung nach Effizienz blendet völlig aus, dass es doch um Menschenleben geht! Und um die Zukunftsgestaltung in einem Land, das wirtschaftlich von der Globalisierung profitiert, das ganz vorne mitmischt!

Ich appelliere an die Verantwortlichen in der Politik: Verzichten Sie darauf, auf dem Rücken von Schutzbedürftigen Themen für den Wahlkampf zu bedienen! Populismus ist kein geeigneter Ersatz für demokratische Meinungsbildung!

Ich wünsche mir, dass der Schutz des Lebens von Frauen und Männern und ganz besonders die Schutzbedürftigkeit von Kindern und Jugendlichen stattdessen im Vordergrund steht.

Im Sinne der Menschlichkeit und der christlichen Nächstenliebe wünsche ich mir, dass wir die Not der Schutzsuchenden thematisieren. Nicht als Wahlkampfthema, sondern als gesellschaftspolitische Herausforderung.

Unsere Verantwortung als eines der reichsten Länder der Erde muss auch hier verpflichten!

Keinem nutzt auf lange Sicht eine Abschottungskultur, nein, sie erreicht das genaue Gegenteil!

Es lebe die Willkommenskultur!

Vielen Dank!“

Kontakt
Evangelische Ausländerarbeit
Bettina Mühlhofer
Bergmannstraße 46
80339 München
Telefon: 089 / 50 80 88 31
E-Mail: bettina.muehlhofer@elkb.de