Evangelische Ausländerarbeit

Die Evangelische Ausländerarbeit beschäftigt sich mit den Fragen und Nöten von Menschen mit Migrationshintergrund, unabhängig von Religion und Nationalität. Individuelle Beratung, Unterstützung und Seelsorge gehören hier zu den Aufgaben.

Die Evangelische Ausländerarbeit tritt ferner für die Interessen von Ausländern und Migranten in innerkirchlichen und in gesellschaftspolitischen Zusammenhängen ein. Sie initiert und pflegt den Dioalog mit anderen Religionsgemeinschaften und bietet Veranstaltungen zu entsprechenden Themen an (z.B. Flüchtlings- und Migrationsarbeit, interkulturelle Pädagogik, religiöser Dialog u.ä.). Auch das Forum für fremdsprachige Gemeinden in München (IKEM - Interkulturell Evangelisch in München) wird von ihr begleitet und koordiniert.

Redebeitrag von Bettina Mühlhofer, Referentin im Evang. Migrationszentrum, anlässlich der Demo gegen AnkER-Zentren in Markt Schwaben am 11.06.2018

(es gilt das gesprochene Wort)

„2015 wurden etliche geflüchtete Menschen am Münchner Hauptbahnhof herzlich und jubelnd begrüßt; Deutschland staunte damals vor drei Jahren nicht schlecht über eine neu entdeckte Willkommenskultur.

Mit Stolz und Anerkennung wurde über diese Willkommenskultur in den Medien berichtet. Leute aus ganz Deutschland riefen bei uns und anderen Institutionen an und fragten: „Wie habt ihr das gemacht? Wir wollen das bei uns auch auf die Beine stellen!“

Und tatsächlich beteiligen sich viele seither mit unermüdlichem Einsatz, mit Herz und Verstand für Geflüchtete, im Namen dieser großartigen Willkommenskultur!

Mein Name ist Bettina Mühlhofer und ich arbeite seit über 20 Jahren für Interkulturelle Bildung, Begegnung und Seelsorge im Evang. Migrationszentrum München. Mein Arbeitgeber ist die Evangelische Kirche und so kann ich mir, ich würde heute fast sagen, den Luxus erlauben, jeden Menschen, der zu mir kommt in seiner Besonderheit, mit seiner Not, mit seiner individuellen Geschichte, kennenzulernen und anzuhören. Einmal sagte ein Klient mit chinesischen Wurzeln zu mir: „Sie sind der erste Mensch hier, der mich ernst genommen und mit Respekt behandelt hat!“ Das hat mich einerseits gefreut, gleichzeitig jedoch schockiert! Was hat dieser Mensch schon alles über sich ergehen lassen müssen?

Besonders Kinder und Jugendliche leiden dauerhaft darunter, wenn sie in aller Öffentlichkeit diffamiert und bloßgestellt werden; keiner von uns hier würde dies absichtlich herbeiführen wollen, da bin ich mir sicher. Dennoch geschieht es! Tagtäglich!

Kürzlich erzählte mir eine Mutter, dass ihre 9jährigeTochter von Mitschülern zu hören bekommt: „Ihr seid doch auch solche Flüchtlinge! Ist dein Vater auch ein Terrorist?“

Kinder geben recht ungefiltert wider, was gesellschaftlich vor allem in der yellow press thematisiert wird. So entlarven sie die populistischen Tendenzen aus den öffentlichen Debatten zu Flucht und Asyl.

Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, der aktuelle Tenor zu Flucht und Migration beflügelt demokratiefeindliche Tendenzen.

Einige der Wahlkampfdebatten, gerade auch die aktuelle über die Einrichtung der AnkER-Zentren, gießen Öl ins Feuer der Zündler.

Abschottung und Abgrenzung, Kontrolle und Kasernierung, sind die Begriffe die momentan im Zusammenhang mit geflüchteten Menschen verstärkt in unsere Köpfe wandern.

Die Forderung nach Effizienz blendet völlig aus, dass es doch um Menschenleben geht! Und um die Zukunftsgestaltung in einem Land, das wirtschaftlich von der Globalisierung profitiert, das ganz vorne mitmischt!

Ich appelliere an die Verantwortlichen in der Politik: Verzichten Sie darauf, auf dem Rücken von Schutzbedürftigen Themen für den Wahlkampf zu bedienen! Populismus ist kein geeigneter Ersatz für demokratische Meinungsbildung!

Ich wünsche mir, dass der Schutz des Lebens von Frauen und Männern und ganz besonders die Schutzbedürftigkeit von Kindern und Jugendlichen stattdessen im Vordergrund steht.

Im Sinne der Menschlichkeit und der christlichen Nächstenliebe wünsche ich mir, dass wir die Not der Schutzsuchenden thematisieren. Nicht als Wahlkampfthema, sondern als gesellschaftspolitische Herausforderung.

Unsere Verantwortung als eines der reichsten Länder der Erde muss auch hier verpflichten!

Keinem nutzt auf lange Sicht eine Abschottungskultur, nein, sie erreicht das genaue Gegenteil!

Es lebe die Willkommenskultur!

Vielen Dank!“

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